Inkontinenz

 

Allgemeines zum Thema
 
Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit Inkontinenz bezeichneter Begriffe.
 
Erklärungen zur Harninkontinenz
 
Erklärungen zur Stuhlinkontinenz
 
Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V. in Frankfurt/M. mit vielen Infos zum Themenkomplex.
 
Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. in Augsburg mit vielen Infos zum Thema.
 
Inkontinenz Selbsthilfe e.V. in Pohlheim.  
 
Literatur zum Thema
 
Prof. Dr. Stefan Corvin & Dr. Hauke Hammerl: „Volkskrankheit Harninkontinenz" 
 
Windeln, Pants usw.
 
Abri-Flex Premium - Abena GmbH
Internet: http://www.abri.de/
 
Attends Pull-Ons 8 - Attends GmbH
 
MoliCare Mobile - Paul Hartmann AG
 
RECA fem & RECA care - RECA Med GmbH
Harn- und Stuhl-Inkontinenz-Tampons)
 
Seni Actice - TZMO Deutschland GmbH
Internet: http://seni.de/
 
Tena Pants, SCA Hygiene Products Vertriebs GmbH
Internet: http://www.tena.de/
 

Bettschutzeinlagen, Matratzenschutzbezüge usw.

RUSSKA LUDWIG BERTRAM GMBH
 

 
Tena Pants
Wie gut sind die Windelhosen wirklich?
Erfahrungsbericht von © Axel Ertelt (Text und Foto)
> Aktualisiert am 01.07.2014 <
 

Viele Menschen mit Behinderung, die betreut und gepflegt werden müssen, sind noch in der glücklichen Lage nicht permanent im Bett liegen zu müssen. Und dennoch ist es vielfach erforderlich, dass diese Windeln benötigen. Die herkömmlichen Windeln sind jedoch ungeeignet, wenn diese Personen, mit oder ohne Hilfe, noch auf die Toilette gehen können. Eine gute Alternative sind dann vom Prinzip her die Windelhosen, die so genannten Pants.

Auch meine Frau, die nach mehreren Schlaganfällen und zweier gründlich schief gelaufener operativer Eingriffe im Haus Hüttental des Kreisklinikum Siegen, Ortsteil Weidenau, heute zu 100 Prozent schwerbehindert ist, benutzt seit Februar 2006 solche Pants der Marke Tena Pants. Sie benötigt davon im Normalfall ein bis zwei Stück pro Tag, einschließlich der Nacht. Somit verfügen wir inzwischen über eine ausreichende Erfahrung mit diesem Produkt und möchten es an dieser Stelle einmal vorstellen und bewerten.

Vom Prinzip her sind die Pants für meine Frau, die mit unserer Hilfe tagsüber noch regelmäßig auf die Toilette gehen kann, bestens geeignet, da sie praktisch wie ein Unterhöschen sind und dementsprechend den Slip ersetzen. Eine herkömmliche Windel ließe sich nicht einfach herunter und wieder heraufziehen und wäre somit absolut ungeeignet.

Die Feuchtigkeitsaufnahmekapazität bei den Tena Pants ist für uns nicht so ganz zufrieden stellend, da morgens in der Regel einiges durchgekommen ist, weil während der Nachtphase absolute Inkontinenz herrscht. So benötigt sie trotz der Pants jeden Tag einen neuen Schlafanzug. Im Schnitt ein bis zweimal die Woche muss zudem die Bettdecke neu bezogen werden. Ohne eine gute Unterlage, die nichts nach unten durchlässt, wären der Bettbezug und die Matratze jeden Tag nass.

Auch die Reißfestigkeit des Materials weist Mängel auf, denn sie ist unseres Erachtens unzureichend, da es häufiger vorkommt, dass die Tena Pants meist unmittelbar im vorderen oberen Bereich bereits beim ganz normalen Hochziehen der Pants quer einreißen. Dies passiert uns regelmäßig mindestens einmal pro Woche, wobei wir dann unnötigerweise direkt eine neue gebrauchen müssen, weil meine Frau die eingerissenen nicht weiter anbehalten will.

So haben wir hochgerechnet pro Jahr rund 50 Tena Pants wegschmeißen müssen, was ohne Einreißen nicht notwendig gewesen wäre. Das entspricht einem Verlust von rund vier Paketen oder umgerechnet ca. 65,00 Euro im Jahr.

Bereits im Frühjahr 2007 teilte ich das Reißproblem dem Hersteller mit. Daraufhin bekam ich drei Muster der herkömmlichen Windel Tena Flex mit dem Rat zugeschickt, auf dieses Produkt auszuweichen. Doch wie zuvor geschildert, sind diese herkömmlichen Windeln ungeeignet für uns. Ich denke, dass man dieses Problem in einem vernünftigen Reißtest und bei korrekter Qualitätskontrolle beim Hersteller selber erkennen und vielleicht auch lösen könnte. Da muss also noch etwas getan werden, denn das Reißproblem besteht nach wie vor. (Stand: August 2010)

Zum Jahresbeginn 2014 brachte der Tena-Pant-Hersteller eine modifizierte Fassung seines Produktes auf den Markt. Die Pants sind dünner geworden, sollen aber mindestens gleich saugfähig bzw. saugstark geblieben sein. Durch das dünnere Material sind die einzelnen Pakete auch kleiner geworden. Es wird hier also zweifach an Material eingespart. Wir mussten feststellen, dass die Tena Pants nun nicht mehr nur überwiegend im vorderen Bereich einreißen, sondern seit der Neuerungen auch im hinteren Bereich, was zuvor kaum passierte. Zudem werden sie jetzt so extrem in die Folie eingepresst, dass man sie kaum herausbekommt ohne den Beutel völlig auseinander zu reißen. Eine Perforation, die früher ein vernünftiges Öffnen mit geradem Aufreißen ermöglichte, wurde ebenfalls eingespart. Zu allem Überfluss mussten wir feststellen, dass das Produkt pro 12er Pack in den letzten beiden Monaten bei unserem Lieferanten um ganze 4,80 € teurer wurde. Das ist eine Preissteigerung von gut 27 %. Grund genug für uns, uns nunmehr nach einem (mindestens) gleichwertigen Produkt umzusehen, auf das wir dann umsteigen werden. (Stand: Juni 2014)

Die Bewertung: Das Produkt erhält nun die korrigierte Gesamtnote 4 (ausreichend). Für den Gebrauch am Tag (Problem Reißfestigkeit) die Note 4- und für den Gebrauch in der Nacht (Problem Aufnahmekapazität) die Note 4+. Eine bessere Benotung können wir aus der langjährigen und nun auch neuen zusätzlichen Erfahrung sowie den unnötigen und nun deutlich erhöhten Ausgaben heraus leider nicht vergeben. Die Benotung für die Nacht fällt noch so positiv aus, da meine Frau eine schwache Blase hat und überdurchschnittlich oft zur Toilette muss.

Tipp: Wenn Sie Pants oder Windeln benötigen, lassen Sie sich diese von Ihrem Hausarzt verschreiben. Sie zahlen dann deutlich weniger dafür als wenn Sie diese ohne Rezept kaufen!


 Interview mit dem Urologen Prof. Dr. Stefan Corvin:

Wirksame Selbsthilfe bei Harninkontinenz

„Harninkontinenz ist ein Tabuthema, obwohl Millionen Menschen bei uns davon betroffen sind. Die Patienten  verschweigen ihre Probleme aus Verlegenheit oder Scham, manche halten sie auch für normal. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, eine Harninkontinenz zu therapieren. So kann beispielsweise durch ein gezieltes Beckenbodentraining die Entstehung einer Blasenschwäche verhindert oder zumindest eine bestehende verbessert werden.“ Der renommierte Urologe Prof. Dr. Stefan Corvin legt mit seinem Kollegen Dr. Hauke Hammerl in „Volkskrankheit Harninkontinenz. Das Selbsthilfe-Buch“ einen wertvollen Ratgeber mit Übungs-CD vor, in dem die Autoren das nötige Hintergrundwissen, die aktuellen Therapiemöglichkeiten, effektive Beckenbodenübungen und weitere nützliche Selbsthilfe-Maßnahmen kompetent und leicht verständlich beschreiben.

Viele Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz leiden an Harninkontinenz. Warum ist in der Öffentlichkeit dennoch so wenig über diese „Volkskrankheit“ bekannt, warum wird sie so ungern thematisiert?

Prof. Dr. Corvin: Das Thema Harninkontinenz wird weiterhin stark tabuisiert. Gerade wegen der anatomischen Nachbarschaft von Harn- und Geschlechtstrakt verschweigen viele Patienten ihre Kontinenzprobleme, weil sie verlegen sind oder ihnen die Problematik zu peinlich ist, um sie dem Arzt zu schildern. Viele Betroffene betrachten dieses Problem auch als normal oder Teil des Alterungsprozesses. Viele Ärzte interessieren sich nicht für die Harninkontinenz und schließen Fragen zu diesem Problem aus ihrer Routinediagnostik aus. Viele ärztliche Kollegen haben zudem nur begrenzte Kenntnisse über aktuelle Therapiemöglichkeiten bei der Harninkontinenz.

Was sind die Ursachen für diese Funktionsstörung und wer ist am häufigsten davon betroffen?

Prof. Dr. Corvin: Die Ursachen der Harninkontinenz sind sehr vielfältig. Vaginale Entbindungen stellen sicherlich einen der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung der Inkontinenz bei der Frau dar. Beim Mann kann vor allem die gutartige Vergrößerung der Prostata eine ausgeprägte Harndrangsymptomatik mit unwillkürlichem Urinverlust verursachen. Daneben können aber auch viele andere Faktoren wie Übergewicht, Infektionen,  Medikamente, neurologische Erkrankungen, Alterungsprozesse, Fehlbildungen sowie Operationen oder Bestrahlungen im Beckenbereich eine Harninkontinenz verursachen.

Was raten Sie Betroffenen, wenn sie bestimmte Symptome einer Harninkontinenz an sich beobachten?

Prof. Dr. Corvin: Betroffene sollten frühzeitig einen in der Behandlung der Inkontinenz erfahrenen Arzt aufsuchen. Häufig kann schon mit relativ geringem Aufwand die Ursache der Harninkontinenz erkannt und zielgerichtet therapiert werden. Gerade bei leichteren Erscheinungsformen, wie der in den ersten Monaten nach einer vaginalen Entbindung häufig auftretenden Belastungsinkontinenz, kann aber auch in Eigenaktion durch die in unserem Ratgeber „Volkskrankheit Harninkontinenz“ ausführlich mit Übungs-CD dargestellten Beckenbodenübungen ein Fortschreiten der Blasenschwäche verhindert, diese manchmal  sogar geheilt werden.

Sie empfehlen ein gezieltes Beckenbodentraining als geeignete Selbsthilfemaßnahme bei Harninkontinenz. Was wird dadurch erreicht? Welche anderen Maßnahmen können Betroffene selbst ergreifen?

Prof. Dr. Corvin: Häufig leiden die für die Kontinenz wichtigen Beckenbodenmuskeln unter einem Mangel an bewusster Betätigung. Durch ein gezieltes Beckenbodentraining wird die Muskulatur gestärkt, die Patienten lernen, diese Muskelgruppen willkürlich zu kontrahieren und zu entspannen. Außerdem kann nur durch den gezielten Einsatz von Muskeln deren weitere Schwächung verhindert werden. Das Beckenbodentraining verfolgt somit zwei Ziele: Es kann eine bestehende Inkontinenz verbessern sowie überhaupt die Entstehung derselben verhindern. Des Weiteren beschreiben wir in unserem Ratgeber unter anderem den Einsatz von hilfreichen Hygieneartikeln, geeignete homöopathische Mittel, das bewährte „Toilettentraining“ und klassische Ernährungstipps.

Welche neuen Therapieansätze gibt es für dieses Leiden und mit welchen Heilungsaussichten darf man rechnen?

Prof. Dr. Corvin: Der Einsatz synthetischer Schlingen zur Anhebung der Harnröhre hat die Inkontinenztherapie in den vergangenen Jahren quasi revolutioniert. Mit den modernen Schlingenoperationen (TVT, TOT, TVT-O) können Erfolgsraten von circa achtzig Prozent erreicht werden. Auch im Bereich medikamentöser Therapieansätze konnte mit dem Wirkstoff Duloxetin (Yentreve®) ein Durchbruch erzielt werden. Yentreve führt über eine Nervenstimulation zu einer verbesserten Kontraktilität des Harnröhrenschließmuskels. Bei fünfzig Prozent der behandelten Patienten kann mit dieser Therapie eine Verbesserung der Inkontinenz erzielt werden. Jedoch wird auch hier die grundsätzliche Kombination der medikamentösen Behandlung mit einem gezielten Beckenbodentraining empfohlen.

Aktuelle experimentelle Ansätze beschäftigen sich mit der Injektion von körpereigenen Stammzellen in den Schließmuskel. Diese Zellen sollen sich im Muskel vermehren und diesen stärken. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann der langfristige Effekt dieser sicherlich attraktiven Therapie jedoch noch nicht beurteilt werden.

Harninkontinenz kann praktisch in jedem Lebensalter auftreten. Gibt es Möglichkeiten, bereits in jungen Jahren vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen?

Prof. Dr. Corvin: Leider sind kaum wissenschaftliche Daten zu vorbeugenden Maßnahmen vorhanden. Es erscheint jedoch sicher, dass eine Prophylaxe in Form eines gezielten Beckenbodentrainings in bestimmten Lebensphasen (zum Beispiel Schwangerschaft, Zeit nach Geburt und gynäkologischen Operationen) die Entstehung einer Harninkontinenz verhindern kann. Außerdem sollten Risikofaktoren wie Übergewicht oder bestimmte Medikamente möglichst reduziert werden.

Der Abdruck des Interviews erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers: Mankau Verlag GmbH, 82413 Murnau a. Staffelsee, Internet: www.mankau-verlag.de.

Prof. Dr. Stefan Corvin & Dr. Hauke Hammerl: „Volkskrankheit Harninkontinenz“ (Das Selbsthilfe-Buch. Mit Übungs-CD). Broschur, mit Audio-CD, 14 x 21 cm, 173 Seiten, ISBN 978-3-938396-42-1, Mankau Verlag, Murnau a. Staffelsee, 1. Aufl. Juni 2010; 17,95 Euro (D) / 18,50 Euro (A). Rezension zum Buch. 


Diese Seite wurde zuletzt am 11.08.2018 16:42:33 Uhr aktualisiert.