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Interview mit dem Arzt und Gesundheitsautor Dr. med. Eberhard J. Wormer zu seinem Buch "Tinnitus".

Tinnitus:
„Der Schlüssel zum Erfolg ist die Lernfähigkeit Ihres Gehirns!“
 
„Da Tinnitus in der Regel nicht von außen wahrgenommen oder gemessen werden kann, sondern nur vom Betroffenen selbst, gilt es für diesen, selbst aktiv zu werden. Vor allem sollte er sich die Lernfähigkeit und Heilkraft seines eigenen Gehirns zunutze machen: Wenn mithilfe geeigneter Maßnahmen die Ohrgeräusche nicht mehr als bedrohlich wahrgenommen werden, verschwindet die psychische Belastung – und damit oft auch der Tinnitus selbst.“ Der Allgemeinarzt Dr. med. Eberhard J. Wormer, Autor des Kompakt-Ratgebers „Tinnitus – Erste Hilfe bei Ohrgeräuschen“, will allen Tinnitus-Patienten Mut zur Eigeninitiative machen und erläutert die erfolgversprechenden Therapieansätze.
 
Frage: Ihr neuer Kompakt-Ratgeber verspricht „Erste Hilfe bei Ohrgeräuschen“. Was versteht man überhaupt unter „Tinnitus“, und wo liegen die Unterschiede zu anderen Hörstörungen?
 
Dr. Wormer: Tinnitus ist ein Symptom der veränderten oder gestörten Hörwahrnehmung; die abnormen Ohrgeräusche werden in der Regel subjektiv, d.h. nur von den Betroffenen wahrgenommen. Ein Bezug zu einer äußeren Schallquelle fehlt. Unterschiedliche Geräusche werden gehört: Brummen, Pfeifen, Zischen, Rauschen, Knacken, Klopfen u. a. – als Dauerton oder rhythmisch pulsierend. Das Symptom Tinnitus hat dann Krankheitswert, wenn Betroffene chronisch darunter leiden und psychosoziale Störungen hinzukommen, wie beispielsweise Angst, Depression, Schlafstörungen oder Berufsunfähigkeit. Der Unterschied zu anderen Hörstörungen liegt darin, dass man das Symptom Tinnitus nicht objektiv beweisen kann und dass die Hörstörungen „reine Kopfsache“ sind. Demnach hat der periphere Hörapparat bis zu den Schallaufnehmern in der Hörschnecke in der Regel nichts mit den Ohrgeräuschen zu tun. An der Hörschnecke endet aber meist das diagnostische Latein der HNO-Heilkunde.
 
Frage: Viele Betroffene arrangieren sich mit ihrer inneren „Hintergrundmusik“, andere werden geradezu an den Rand des Wahnsinns getrieben. Woran liegt es, dass Menschen so unterschiedlich damit umgehen?
 
Dr. Wormer: Gute Frage! Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch reagiert anders auf bedrohlich erscheinende körperliche Symptome. Auch Stress und Überforderung werden von jedem Menschen anders erfahren: Was für den einen eine Herausforderung ist, ist für den anderen unerträgliche Belastung. Hier wird einmal mehr deutlich, dass immer der ganze Mensch in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn in einer bestimmten Region Beschwerden und Störungen auftreten. Wahrscheinlich spielen die Grundbefindlichkeit, das individuelle Stressniveau und dessen Bewältigung eine wichtige Rolle. Oft lebt man unbemerkt jahrelang mit einem überdurchschnittlich hohen Stresspegel. Traumatische Ereignisse wie Tinnitus sind dann ein Anzeichen dafür, dass das Immunsystem überfordert ist, das eine wichtige Rolle für die ganzheitliche Homöostase, also die Selbstregulation im Organismus, spielt.
 
Frage: Die Entstehung und Behandlung der Ohrgeräusche wirft nach wie vor viele Fragen auf, die noch nicht vollständig beantwortet werden können. Was ist der gegenwärtige Wissensstand hinsichtlich der Ursachen des Tinnitus?
 
Dr. Wormer: Ohrgeräusche haben viele Ursachen, können im peripheren Ohr oder bei der zentralen Verarbeitung von Audiosignalen ausgelöst werden. Am häufigsten entsteht Tinnitus an der Hörschnecke (Cochlea) oder innerhalb der zentralen Hörbahn. Neun von zehn Tinnitus-Patienten haben zudem einen Hörverlust in der Cochlea, der auf der Tinnitusfrequenz am stärksten ausgeprägt ist. Tatsache ist: Bis auf seltene, diagnostisch eindeutige Ursachen – Innenohrmechanik, Entzündungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten – gibt die Schulmedizin mittlerweile zu, dass sie nicht weiß, was es mit den Ohrgeräuschen auf sich hat. Tinnitus ist wie gesagt „Kopfsache“; jenseits der Hörschnecke beginnt der unbekannte Kontinent der Nervenzellen. Die Ursache von Tinnitus fällt demnach im weitesten Sinn in den Bereich Neurologie, Psyche bzw. Psychosomatik.
 
Frage: Sie schreiben, dass „vor allem das unbegrenzte Lernvermögen des Gehirns der Schlüssel zur Lösung des Problems“ sei. Was folgt daraus für die medizinischen Möglichkeiten der Tinnitus-Therapie?
 
Dr. Wormer: Tatsächlich kann das Lernvermögen des Gehirns von jedem Menschen selbst als wirkmächtiges Heilsystem benutzt werden. Es werden demnach nicht die Medikamente sein, die den Erfolg bringen! Lernfähigkeit bedeutet: Alles kann gelernt werden. Für den Tinnitus heißt dies, dass man lernt, aus einem bedrohlichen Phänomen, eine „gewöhnliche“, vielleicht sogar „normale“ Wahrnehmungserfahrung zu machen. Das hat auch die Medizin begriffen und bietet als Nonplusultra die multimodale Tinnitustherapie an. Hier wird die Lernfähigkeit auf allen Wahrnehmungsebenen – plus gegebenenfalls HNO-Interventionen – auf Gewöhnung und Akzeptanz von Störgeräuschen trainiert. Und es funktioniert gut, wenn der Betroffene wirklich mitarbeitet.
 
Frage: Bei chronischem Tinnitus steht eine breite Palette von Therapieoptionen zur Verfügung. Welche sind dies, und was verspricht den größten Erfolg?
 
Dr. Wormer: Die Behandlung des chronischen Tinnitus konfrontiert die Medizin mit einer Problematik, die nahezu unlösbar erscheint. Es ist das Problem der „unheilbaren“ Krankheiten: Man weiß nicht, wie die Krankheit entsteht, und man weiß deshalb auch nicht, wie man sie behandeln soll. Eine frustrierende Erfahrung für die Medizin und die Betroffenen. Mittlerweile hat sich auf medizinischem Gebiet aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass chronischem Tinnitus nur mit der individuell passenden Mischung von Therapiemaßnahmen beizukommen ist. Davon profitieren die Betroffenen. Das Qualitätsniveau der Tinnitustherapie in Deutschland ist vergleichsweise hoch – nicht zuletzt wegen der Aufklärungsarbeit und des Engagements der Deutschen Tinnitus-Liga. Im Einzelfall bringt die richtige Therapiemixtur den Erfolg. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist die umfassende Information und Aufklärung über Tinnitus. Als besonders erfolgversprechend gelten Lebensstilveränderungen, Entspannungsmaßnahmen, ganzheitliche Ansätze, Achtsamkeitstraining und die medizinische Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT).
 
Frage: Je stärker der geräuschhafte Höreindruck emotional negativ bewertet wird, desto mehr übernimmt der Tinnitus die Kontrolle über das Leben des Betroffenen. Welche Chancen haben Betroffene, aus eigener Kraft diesem Kreislauf zu entkommen?
 
Dr. Wormer: Wie gesagt, jeder Mensch ist anders, jeder Mensch empfindet anders. Die Chancen, wieder selbst die Kontrolle über das eigene Leben zurückzubekommen – trotz Tinnitus –, steigen mit der Bereitschaft und Einsicht, selbst aktiv werden zu müssen. Viele Betroffene entschließen sich dazu erst, wenn sie anhaltend frustrierende Erfahrungen mit zahlreichen Ärzten hinter sich haben. An diesem Punkt wissen Sie, dass Sie mit Ihrem Tinnitus auf sich selbst gestellt sind – hier beginnt Ihr Weg zur erfolgreichen Bewältigung. Das zeigen unzählige Patientengeschichten: Ihre Erfolgschancen steigen, wenn Sie sich am Leitspruch „weniger Ärzte, mehr Eigeninitiative“ orientieren. Ein gesunder Lebensstil, weniger Stress, mehr Achtsamkeit und positiv gerichtete Lernerfahrungen werden dem Tinnitus den Schrecken nehmen, ihn zunehmend bedeutungslos machen. Auf Ihrem Wegweiser steht: Zurück zur eigenen Lebensqualität.
 
Frage: Studien zufolge hat jeder Deutsche über zehn Jahre mindestens einmal Ohrgeräusche erlebt, und etwa vier Prozent der Gesamtbevölkerung leiden unter Tinnitus. Gibt es besondere Risikofaktoren, die anfällig für das Ohrenklingeln machen?
 
Dr. Wormer: An erster Stelle stehen ein ungesunder Lebensstil und chronisch ignorierte, erhöhte Stressbelastungen. Offenkundige, aber seltenere Risikofaktoren sind Lärmbelastungen – jede Lärmbelastung verursacht körperlich-psychischen Stress –, Arzneimittel oder Wirbelsäulen- bzw. Rückenprobleme, insbesondere an der Halswirbelsäule inklusive muskuläre Verspannungen.
 
Frage: Ähnlich wie bei Fibromyalgie beklagen viele Betroffene, dass ihr Leiden nicht ernst genommen wird oder Ärzte zu wenig über das Phänomen wissen. Worauf sollte man als Betroffener achten, wenn man sich in ärztliche Behandlung begibt?
 
Dr. Wormer: Ausschließlich subjektiv empfundene Symptome wie Tinnitus sind vom Damoklesschwert der Ignoranz – „interessiert mich nicht“ – und Stigmatisierung – „alles nur Einbildung“ bedroht, was sowohl Ärzte wie auch das persönliche Umfeld angeht. Achten Sie darauf, ob der Arzt sich überhaupt für Ihr Problem interessiert, ob er Sie anschaut, die richtigen Fragen stellt und ausreichend Gesprächszeit investiert. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie mehr über Tinnitus wissen als Ihr Arzt, überlegen Sie, ob Sie ihm vertrauen möchten. Der beste Arzt ist derjenige, der Sie auf dem Weg zur Bewältigung des Tinnitus unterstützen möchte und Ihr Leiden ernst nimmt.

Das Gespräch wurde im April 2016 geführt.

Die Veröffentlichung des Interviews und des Fotos erfolgen mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers: Mankau Verlag GmbH, Postfach 1322, 82413 Murnau am Staffelsee.
 
Dr. med. Eberhard J. Wormer: „Tinnitus - Erste Hilfe bei Ohrgeräuschen“; Kompakt-Ratgeber, Klappenbroschur, 127 S., 11,5 x 16,5 cm, ISBN 978-3-86374-275-1, Mankau Verlag, Murnau a. Staffelsee, 1. Auflage 16. Mai 2016, Preis: 7,99 € (D) / 8,20 € (A).
 
Hier gehts zur ausführlichen Buchbesprechung.
 

 

Interview mit der Medizinjournalistin und Heilpraktikerin Maria Lohmann zu ihrem neuen Buch Laborwerte verstehen“:

„Laborwerte verstehen und richtig interpretieren“

Warum es so wichtig ist, als Patient gut informiert zu sein

„Laboruntersuchungen sind in der modernen Medizin unerlässlich zur Diagnosefindung und können helfen, die geeignete Therapie und Medikation zu bestimmen. Jedoch haben mir Gespräche mit vielen meiner Patienten gezeigt, dass ein hoher Bedarf an verständlichen Informationen zum Thema Laborwerte besteht. Mein Ratgeber richtet sich an alle, die ihre Untersuchungsergebnisse endlich verstehen und richtig interpretieren wollen, und erleichtert den Dialog zwischen Patient und Arzt.“ In ihrem handlichen Taschenratgeber „Laborwerte verstehen“ liefert die erfahrene Heilpraktikerin und Medizin-Autorin Maria Lohmann wertvolles Hintergrundwissen sowie einen praktischen Überblick über die verschiedenen Urin-, Stuhl- und Blutwerte.

„Laborwerte verstehen“ stellt die wichtigsten Fachbegriffe und Analysen übersichtlich und verständlich vor. An welche Leser richtet sich der Kompakt-Ratgeber?

Lohmann: Der Ratgeber richtet sich an alle, die ihre Laborwerte endlich verstehen und richtig interpretieren möchten. Außerdem verrät der Kompakt-Ratgeber, warum welche Untersuchungen notwendig sind und welche Bedeutung bestimmte Laborwerte haben. Damit lassen sich Zusammenhänge zwischen gesundheitlichen Störungen und Laborwerten besser begreifen. Das Buch bietet eine Einführung in die wichtigsten Werte, liefert Hintergrundwissen sowie einen schnellen Überblick. Es erleichtert Lesern jeden Alters das Gespräch mit ihrem Arzt.

Fast alle ärztlichen Diagnosen stützen sich auf Laboruntersuchungen. Welche Einblicke in unseren Körper und seine Krankheiten erlauben diese?

Lohmann: Laboruntersuchungen sind in der modernen Medizin unerlässlich zur Diagnosefindung. Sie helfen, Risiken und Krankheiten aufzudecken, besonders bei scheinbarer Gesundheit. Außerdem sind sie wichtig, um zu überprüfen, ob eine bereits eingeleitete medikamentöse Therapie, z. B. bei Schilddrüsen- und Herzerkrankungen oder Diabetes mellitus, richtig dosiert ist bzw. ob sie bereits gefruchtet hat.

Bezugspunkt aller Untersuchungen ist immer der „Normalwert“. Was bedeutet dies eigentlich und welche Bedeutung hat die Abweichung von der Norm?

Lohmann: Der Begriff Normalwert sagt nicht mehr aus, als dass ungefähr 95 Prozent der Bevölkerung innerhalb dieses Messbereiches liegen, während die restlichen fünf Prozent von diesen Werten abweichen, ohne deswegen jedoch krank zu sein. Man kann also von der Mehrheit abweichende Werte besitzen und sich trotzdem bester Gesundheit erfreuen! Entscheidend ist, die Laborwerte nicht isoliert zu betrachten, sondern individuell, und in jedem Einzelfall neu zu interpretieren.

Viele Patienten wissen oft gar nicht, wovon ihr Arzt spricht oder welchen Sinn die Untersuchung von Blut, Urin etc. hat. Kann „Laborwerte verstehen“ hier Abhilfe schaffen oder gar den Arztbesuch ersetzen?

Lohmann: Das Buch soll keineswegs das Gespräch mit dem Arzt ersetzen, sondern im Gegenteil den Dialog verbessern. Im Gespräch mit vielen Patienten wurde deutlich, dass ein hoher Bedarf an verständlichen Informationen zu den Themen Urin-, Stuhl- und Blutwerte besteht. Denn die Möglichkeit für ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patient ist selten gegeben. Ein gut informierter Patient erleichtert das Gespräch in der Praxis, ohne dass dabei der Diagnose des Arztes vorgegriffen wird.

Es ist immer viel von der Bedeutsamkeit bestimmter Werte für verschiedene Erkrankungen die Rede, z. B. beim Cholesterin. Auf was muss man hier besonders achten?

Lohmann: Zu berücksichtigen ist, dass auch Laborwerte gewissen „Modeerscheinungen“ und neuen Erkenntnissen unterliegen. Denken Sie nur an die Diskussion um das leidige Thema Cholesterin: Während vor einigen Jahren die Grenzen des Cholesterin-Normalbereichs als Einheitswerte festgesteckt wurden, interpretieren die Experten die Werte heute im Zusammenhang mit der individuellen Situation des Patienten und seinen Risikofaktoren.

Würden Sie Ihren Lesern empfehlen, sich regelmäßig testen zu lassen?

Lohmann: Alle, die unter chronischen Erkrankungen leiden, wie Rheuma, Gicht oder Diabetes mellitus, von wiederkehrenden Entzündungen betroffen sind oder ständig Medikamente einnehmen müssen, sollten ihre Werte regelmäßig beim Arzt kontrollieren lassen. Außerdem sollte man das Angebot der gesetzlichen Krankenkassen nutzen, die ihren Mitgliedern ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre einen Gesundheits-Check-up anbieten. Dieser umfasst die Bestimmung von Blut- und Urinwerten sowie eine körperliche Untersuchung beim Arzt. Der Check-up soll helfen, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Stoffwechselstörungen frühzeitig zu erkennen.

Wie kann man selbst feststellen, ob bestimmte Werte sich in einem Bereich bewegen, der von einem Labor näher untersucht werden sollte?

Lohmann: Es ist sinnvoll, seinen Körper gut zu beobachten und kennenzulernen. Umso eher kann man Veränderungen bemerken, die möglicherweise auf eine Störung hinweisen, und damit frühzeitig den Arztbesuch und eine Laboruntersuchung einleiten. Wenn beispielsweise plötzlich der Urin merkwürdig riecht, starker Durst auftritt oder die Leistungsfähigkeit merklich nachlässt, sind das Symptome, denen man nachgehen muss, d. h. mit denen man einen Arzt aufsuchen sollte. Zu Hause lassen sich zudem in Eigenregie der Blutzuckerspiegel bestimmen oder die Nierenfunktion testen. Zudem bieten viele Apotheken gegen eine geringe Schutzgebühr die Bestimmung von Blutzucker und Cholesterin an, was man zwischen den Arztbesuchen ruhig einmal nutzen kann.

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Die Veröffentlichung des Interviews und des Fotos erfolgen mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers: Mankau Verlag GmbH, Postfach 1322, 82413 Murnau am Staffelsee.

Maria Lohmann: Laborwerte verstehenBlut-, Urin- und Stuhlanalysen – Normalwerte im Überblick – Fachbegriffe und wichtige Abkürzungen. Mankau Verlag, 1. Aufl. März 2014, Klappenbroschur, 10,5 x 16,5 cm, durchgehend farbig, 159 S., Preis: 8,95 € (D) / 9,20 € (A), ISBN 978-3-86374-158-7.

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Inkompetente Kassiererin trübt Zooerlebnis

Der Dortmunder Zoo in der Kritik einer Behinderten und ihrer Begleitperson

(27.05.2014, AE) Viel versprochen – Nichts gehalten – Behinderte abgezockt. So könnte man das, was am Sonntag, dem 25. Mai 2014 an der Kasse des Dortmunder Zoos passiert ist in kurzen Worten schildern. Die offensichtlich nicht ganz kompetente Kassiererin, an die eine Rollstuhlfahrerin mit ihrer Begleitung am Eingang des Dortmunder Zoos geriet, ließ das Zooerlebnis der  beiden zu einem Frusterlebnis werden.

 

Viel versprochen …

Auf der offiziellen Website der Stadt Dortmund hat auch der Dortmunder Zoo im Bereich „Freizeit und Kultur“ seine Seiten. Auf der Zooseite „Preise und Öffnungszeiten" erfährt man, dass der Eintrittspreis für einen Erwachsenen 8,00 € kostet. Etwas weiter unten heißt es auch unter der Rubrik „Freien Eintritt“: „Begleitpersonen Behinderter, die einer ständigen Begleitung bedürfen ("B" im Ausweis)“. - Behinderte selbst, speziell Rollstuhlnutzer, haben freien Eintritt wurde damals von der Kassiererin mitgeteilt.

Eine im Rollstuhl sitzende Frau im Alter von 59 Jahren mit einem Schwerbehindertenausweis (GdB 100, Merkzeichen G, aG, H, RF und B als Bestätigung dass eine Begleitperson zwingend notwendig ist) war mit ihrem 29jährigen Sohn als notwendige Begleitperson zum Dortmunder Zoo gekommen, der auch großen Wert auf Barrierefreiheit legt, wie man ebenfalls auf der Website lesen kann („Service und Barrierefreier Zoobesuch") Hier wird nochmals bestätigt: „Begleitpersonen Behinderter, die einer ständigen Begleitung bedürfen ("B" im Ausweis), haben im Zoo Dortmund freien Eintritt.“

 

Nichts gehalten …

An der Kasse wurde jedoch verlangt, dass die Begleitperson den regulären Eintrittspreis (das wären 8,00 € gewesen) entrichten müsste. „Sonst erhalten Sie keinen Einlass in den Zoo!“ Der wiederholte Hinweis auf den zugesicherten freien Eintritt einer notwendigen Begleitperson gemäß Merkzeichen B im vorgelegten Schwerbehindertenausweis wurde strikt und rigoros von der Kassiererin ignoriert.

Notgedrungen und frustriert wurde also Eintritt bezahlt. Dieses betrug sage und schreibe nicht den normalen Eintrittspreis, sondern einen um ganze 5,50 € höheren Preis von 13,50 €. Dies ist laut Preisangabe der Preis für eine „Kleingruppe“, die normalerweise aus einer Person mit 4 Begleitern besteht! Das wird bei den Preisangaben auf der Webseite wie folgt erklärt: „Kleingruppen, Kleingruppe 1*** 13,50 Euro“. Etwas weiter unten wird dann die „Kleingruppe“ wie folgt erläutert: „*** (1 Person ab 18 Jahren mit bis zu 4 Personen ermäßigter Tarif, nicht übertragbar)“.

 

Behinderte abgezockt

Schaut man sich nun die Eintrittskarten an, dann liest man auf der einen Karte einen Preis von € 0,00. In der Zeile darüber steht: „BEGLEITPERSON“. Auf der anderen Karte steht ein Preis von € 13,50 und in der Zeile darüber steht: „KLEINGR. 1“. Das ist schwer bis gar nicht nachvollziehbar und entspricht keinesfalls den Versprechungen des Zoo. Einmal 0,00 € für eine Begleitperson? War diese dann doch umsonst? Aber dann hätte die Rollstuhlfahrerin einen Kleingruppentarif für fünf Personen bezahlt. Dies zeugt wieder einmal mehr für die Unfähigkeit des Kassenpersonals. Hier wurde eine Behinderte mit ihrer zwingend notwendigen Begleitperson abgezockt, die eigentlich nicht einen einzigen Cent hätten bezahlen müssen.

Die Initiative „Hilfe für Behinderte" hat noch am gleichen Abend die Zoodirektion per Email angeschrieben und um Stellung gebeten.

 

Eine einmalige Fehlleistung des Kassenpersonals?

Am Montag kam auch prompt die Antwort an die Hilfe für Behinderte – von Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter persönlich. In seiner Entschuldigungsmail bedauerte er diesen Vorfall zutiefst. Unter anderem schrieb er: „Zunächst einmal darf ich Ihnen versichern, dass der von Ihnen geschilderte Ablauf an der Zookasse selbstverständlich nicht den Vorgaben des Zoos entspricht. Ihre Verärgerung kann ich durchaus nachvollziehen. Entsprechend haben wir sofort reagiert und die Kassenfirma aufgefordert, die verantwortliche Kassiererin von weiteren Einsätzen an der Zookasse unverzüglich zu entbinden.“

Das ist sicher im Interesse zukünftiger behinderter Zoobesucher und ihrer Begleitpersonen von Vorteil, doch trägt die Kassiererin tatsächlich die (alleinige) Schuld an dem unglücklichen Vorfall? Vielleicht sollte man darüber an verantwortlicher Stelle (Arbeit- und Auftraggeber) nachdenken das Kassenpersonal besser zu schulen und zu instruieren.

Dr. Brandstätter versichert in seiner Antwort weiter: „Der Zoo Dortmund erleichtert, das haben Sie korrekt gelesen, den Besuch von Menschen mit schwerer Behinderung durch freien Eintritt für die jeweilige Begleitperson. Dies ist Praxis im Zoo Dortmund seit vielen Jahren. Aufgrund dieser langjährigen Tradition ist das Verhalten der Kassiererin doppelt unverständlich. Darüberhinaus ist es tatsächlich so, dass Sie mit dem Kleingruppen-Preis in Höhe von 13,50 € einen überhöhten Eintrittspreis gezahlt haben. Dieser ist Ihnen selbstverständlich zurückzuerstatten. Ich möchte mich im Namen des Zoos für das Verhalten des Kassenpersonals entschuldigen. Mir ist unverständlich, wie dies passieren konnte und ich danke Ihnen daher für Ihren Beitrag.“

 

Weitgehend behindertengerecht

Der Dortmunder Zoo tut tatsächlich viel für Behinderte. So ist das Zoogelände praktisch barrierefrei und alle Tiere können aus der Rollstuhlperspektive gesehen werden. Außerdem gibt es das Angebot eines Zooführers in Braille-Schrift für Menschen mit Sehbehinderungen und mehrere Behindertentoiletten auf dem Gelände.

Der Zoodirektor schreibt dazu in seiner Antwort auch: „Wir werden auch weiterhin dafür Sorge tragen, dass Menschen mit Behinderungen sich bei einem Besuch im Zoo Dortmund wohlfühlen und darf Ihnen versichern, dass wir dafür Sorge tragen werden, dass ein solches Erlebnis, wie Sie es bei uns hatten, nicht noch einmal vorkommt.“

(Abbildung oben: Die beiden Eintrittskarten der Zoo-Abzocke. Foto/Scan: Initiative Hilfe für Behinderte.)

Ergänzung vom 24.08.2016: Nach erneutem Zoobesuch und persönlichen Gesprächen mit kompetenten Zoomitarbeitern und Überprüfung der Internetseite des Zoos ergibt sich folgende Situation:

Die Mitteilung der Kassiererin in 2014, dass Behinderte, speziell Rollstuhlfahrer freien Eintritt hätten war falsch! Behinderte, einschließlich Rollstuhlfahrer müssen den regulären Eintrittspreis bezahlen! Lediglich die notwendigen Begleitpersonen (Merkmal B im Behindertenausweis der/des Behinderten) haben freien Eintritt. Leider geht dies nicht so ganz eindeutig aus der Zoo-Homepage hervor.

Ein Blick auf die Websites der Zoos von Wuppertal und Köln ergab, dass dies hier genauso gehandhabt wird. Allerdings ist auf deren Homepages bei den Preisen dies auch klipp und klar gesagt, dass Behinderte den regulären Preis bezahlen müssen, was dann auch nicht zu Mißverständnissen führen kann... 

 

Neuer Schwerbehindertenausweis

[zuletzt aktualisiert: 06.11.2012, AE] Zuerst der Führerschein, dann der Personalausweis und nun auch der Schwerbehindertenausweis. Alles schrumpft auf Scheckkartengröße und wird damit europäisiert. Spätestens ab dem 1. Januar 2015 gibt es nur noch die neuen, scheckkartengroßen Schwerbehindertenausweise. Wenn alle alten Ausweise ungültig (durch Ablauf oder Tod) geworden sind, ist das altbekannte Format des Schwerbehindertenausweises verschwunden.

Ausgegeben werden dürfen die neuen Ausweise ab dem 1. Januar 2013. Allerdings entscheidet jedes Bundesland wann es erstmals diese Ausweise gibt. Also kann es durchaus noch sein, dass Sie im kommenden Jahr noch die alte Version erhalten. – In Deutschland muss ja alles so kompliziert sein! Wie Der Bote" am 07.10.2012 berichtete, wird es den neuen Ausweis in NRW voraussichtlich erst Ende 2013 geben. Ein genauer Termin steh dazu aber noch nicht fest. Wie die neuen Ausweise aussehen können Sie bereits jetzt in einem Faltblatt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales erfahren. Mit nachstehendem Link (http://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a747-schwerbehindertenausweis.html) geht es auf die entsprechende Website. Dort kann das Faltblatt bestellt werden. Alternativ können Sie es dort auch downloaden (auf Ihrem Computer abspeichern).

Viele Senioren, denen eigentlich ein solcher Ausweis zustünde, scheuen sich ihn zu beantragen. Dabei können Sie, je nach Grad der Behinderung und Merkzeichen, einige Vergünstigungen bekommen, die Sie finanziell entlasten. Zu den Vergünstigen zählt auch ein Parkausweis für Behinderte, wenn Sie das Merkzeichen „aG" (= außergewöhnliche Gehbehinderung) oder „Bl" (= Blind) haben. Das Merkzeichen „RF" stht für die Befreiung von der Rundfukgebühr (bis 31.12.2012, ab 01.01.2013 nur noch Ermäßigung). Sowohl mit dem Merkzeichen „Bl" als auch „H" (= Hilflos) können Sie ein Beiblatt mit Wertmarke beantragen, die Sie berechtigt bundesweit im öffentlichen Nahverkehr kostnlos zu fahren. Für Autobesitzer kann es auf Antrag sogar eine Befreiung von der KFZ-Steuer geben. Mit dem Merkzeichen „1-Kl" sind Sie berechtigt zurNutzung der 1. Wagenklasse. Befindet sich auf der orderseite ein „B", so ist die Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson nachgewiesen, was bedeutet, dass sie im öffentlichen Nahverkehr eine Begleitperson kostenlos mitnehmen können.

 


 
Der Halveraner Herbst 2012
Aus dem Blickwinkel eines Rollstuhlfahrers
Von © Axel Ertelt (Text und Fotos)
 

[05.10.2012] Die traditionsreiche Veranstaltung des Halveraner Herbst am Sonntag (30.09.2012) war nach etlichen Regentagen mit strahlend blauem Himmel gesegnet, der Temperaturen bis fast 20 Grad bescherte. Und so kamen Tausende von nah und fern um an dem Spektakel teilzunehmen. Am frühen Nachmittag war auf den Straßen kaum noch ein Durchkommen und die Veranstaltung schien fast besser besucht als die diesjährige Kirmes…

Höchstes Lob von der lokalen Presse

Auf dem Bauernmarkt beim Halveraner Herbst 2012. (Foto: Axel Ertelt)Die lokale Presse, allen voran die alteingesessene Heimatzeitung, der „Allgemeine Anzeiger“, lobte alles rund um die Großveranstaltung himmelhoch. Doch wie war es eigentlich aus der Sicht eines Behinderten, eines Rollstuhlfahrers? Da musste das Urteil leider deutlich negativer ausfallen.

Bereits am frühen Vormittag ein gut besuchter Halveraner Herbst 2012. (Foto: Axel Ertelt)Die Menschenmassen machten, vor allem zu der Stoßzeit am frühen Nachmittag mit dem Rollstuhl kaum noch ein Durchkommen. Und zudem, im Bereich der Frankfurter Straße dieses unsinnige Pflasterstück, was eine Passage mit dem Rollstuhl nahezu unmöglich macht, da man alle paar Meter mit den Rädern in den Lücken zwischen den Steinen hängen bleibt. Eine absolute Zumutung für Rollstuhlfahrer, Rollibenutzer oder Mütter mit Kinderwagen. Doch dieser Zustand war praktisch von Anfang an. Wer hat diesen Blödsinn eigentlich zu verantworten?

Pflastersteine sollen neu verfugt werden

Derzeit ist im Gespräch, die Pflastersteine neu zu verfugen. Dazu soll die Frankfurter Straße, die immerhin die Hauptgeschäftsstraße in Halvers Zentrum ist, noch diesen Monat für etliche Tage voll gesperrt werden. Abgesehen von dem Verkehrschaos und die Verluste für die ansässigen Einzelhändler, das dies heraufbeschwören dürfte, stellt sich da die Frage: Was soll das bringen – außer hohen unnötigen Kosten?

Das Problem des „Stolper-Pflasters“ ist altbekannt. So manch älterer Mitbürger kam hier schon zu Fall. Vor Jahren wurde das Pflaster aus diesem Grunde für viel Geld aufwendig schon einmal abgeschliffen. Gebracht es schon damals nichts. Nach wie vor erinnert dieses Stück Straße einschließlich der Bürgersteige auf beiden Seiten eher an eine „Cross-Strecke für Rollstuhlfahrer“ als an etwas Positives, Sinnvolles oder gar Schönes!

Parkterror zum Ärgernis von Fußgängern und Rollstuhlfahrern

Eine solche Großveranstaltung wie der Halveraner Herbst lock Tausende Besucher von nah und fern an. Nicht nur aus den umliegenden Orten, auch aus weiter entfernten Städten wie Remscheid und Wuppertal kamen die Besucher in Scharen. Das gab natürliche ein überdeutliches Defizit an Parkmöglichkeiten, zumal ja auch ganze Straßenzüge und Parkplätze gesperrt und zugebaut waren.

So wurde fleißig im Halte- und Parkverbot geparkt oder gleich reihenweise auf privaten Parkflächen oder gar Gehwegen. Besonders skrupellose Autofahrer stellten ihre Fahrzeuge gleich komplett auf Bürgersteigen ab, so dass Fußgänger und Rollstuhlfahrer die teilweise stark frequentierten Straßen benutzen mussten und sich dabei durchaus auch lebensgefährlichen Situationen ausgeliefert sahen. Vor allem unsere behinderten Mitbürger, allen voran die Rollstuhlfahrer, hätten sich da ein wenig Aufmerksamkeit von Seiten der Stadt (Ordnungsbehörde) oder Polizei gewünscht. Was in anderen Städten tagtäglich sogar zum Abschleppen solcher dreisten Falschparker führt, das scheint im sauerländischen Halver niemanden zu interessieren – zum Leidwesen der behinderten Bevölkerungsminderheit.

Monster-Truck-Show wo warst du nur?

Ein besonderes Highlight des diesjährigen Halveraner Herbstes war beim am Stadtrand gelegenen Baumarkt Lieder ein Flohmarkt und eine Monster-Truck-Show. Gerade wegen letzterer waren viele Halveraner und Auswärtige gekommen, die dort nur mit viel Glück einen Parkplatz in relativer Nähe bekamen. Parkmöglichkeiten für Behinderte gab es schon mal gar nicht und so mancher Rollstuhlfahrer war wieder einmal mehr der Gelackmeierte. Schon auf dem weiten Weg vom Auto zum Baumarktgelände fand man keinen Hinweis auf den Ort, wo die Monster-Truck-Show stattfand. Man musste erst einmal über den gesamten Flohmark laufen um am anderen Ende vor einer hohen Absperrung zu stehen, durch die es wegen Überfüllung keinen Einlass gab.

Wenige Tage zuvor: Ein Monster-Truck steht zu Werbezwecken an einer stark frequentierten Kreuzung. (Foto: Axel Ertelt)Das schmale Gelände war für eine solche Show viel zu klein und ungeeignet. Ungeeignet vor allem auch für die Zuschauer, von denen viele gar nicht hineinkamen und umsonst angefahren waren. Besonders markant waren dazu die Kommentare einer Wuppertaler Gruppe, die mit mehreren Autos eigens zur Monster-Truck-Show angereist waren und nun stinksauer und unverrichteter Dinge wieder heimfuhren. Die Kommentare, die dabei losgelassen wurden, kann ich hier unmöglich wiedergeben.

Für die Zuschauer gab es nur einen schmalen Pfad, der so mit Menschen überfüllt war, dass mit einem Rollstuhl überhaupt nicht daran zu denken war die Show zu sehen. Wieder einmal mehr hat sich hier gezeigt, dass behinderte Menschen offenbar immer noch Menschen zweiter Klasse sind. Ein Armutszeugnis und schade, dass dies dann auch noch in meiner Heimatstadt offenbar an der Tagesordnung ist. Das Fest „der Superlative“, wie Frank Zacharias seinen Bericht darüber in der Lokalpresse titelte, hatte aus Sicht der Rollstuhlfahrer absolut nichts mit Superlative am Hut – wenigstens nicht im Positiven…


 

Vom Umgang der Haspa mit Behinderten

[20.08.2012, AE] Das Kürzel Haspa ist zu einem Schlagwort geworden, das in Hamburg wohl jeder kennt. Es steht für die Hamburger Sparkasse. Und diese ist jetzt im August 2012 ganz aktuell in die Negativschlagzeilen geraten, denn, so heißt es, behinderte Menschen sind dort als Kunden nicht erwünscht. Man hat Ekel vor behinderten Menschen! Unglaublich – aber offenbar wahr!

Im aktuellen Fall, der erstmals im Blog von Gerlef Gleiss („Der Ekel vor behinderten Haspa-Kunden“, http://gerlef.blog.de) veröffentlicht wurde geht es um Herrn W., der Kunde der Haspa-Filiale in Hamburg-Bramfeld ist. Als er am 1. August 2012 in eben dieser Filiale war, hatte er seine Assistentin dabei, da Herr W. wegen einer schweren Muskelerkrankung im Rollstuhl sitzt und zudem noch eine Sprachbehinderung hat.

Zu seiner Situation sagt Herr W.: „Durch meine eingeschränkte Motorik fällt es mir sehr schwer Formulare zu unterschreiben, und daher benötige ich Jemanden der mir eine Schreibunterlage hält.“

Die Haspa-Angestellte Frau E. B. sagte hinter dem Rücken von Herrn W. zu dessen Assistentin, „dass sie es sehr begrüßen würde, wenn ich (Herr W.) ihre Filiale in Zukunft nur noch mit Begleitung aufsuchen würde“. Begründet hat sie dies mit der Aussage, dass das Haspa-Personal Hemmungen dem Kunden gegenüber besäße und zudem (wörtlich) „großen Ekel“ bezüglich seiner Behinderung hätte.

Frau E. B. meinte noch, für die Assistentin sei das ja wohl nicht so schlimm, schließlich habe sie sich ja diesen Beruf ausgesucht. Als Herr W. ein klärendes Gespräch mit Frau E. B. suchte, bekräftigte diese noch einmal, „dass das gesamte Personal großen Ekel und Abneigung“ ihm gegenüber empfinde! Außerdem sei man „in einem internen Mitarbeitergespräch zu dem Schluss gekommen ihn nicht mehr persönlich zu bedienen, da dies eine zu große Zumutung darstelle.“ Damit zudem die Belastung für das Haspa-Personal geringer sei, wollte Frau E. B. noch Herrn W. eine größere Anzahl von Blanko-Auszahlungsschecks mitgeben, damit er diese künftig bereits zu Hause ausfülle und die Belastung für das Personal geringer würde.

Ein Gespräch mit dem zuständigen Haspa-Filialleiter am gleichen Tage kam nur „nach einigem hin und her“ zustande und verschlimmerte die für die Haspa äußerst peinliche Angelegenheit nur noch, da sich der Filialleiter voll hinter seine Mitarbeiterin stellte.

Inzwischen wurde bekannt, dass es bereits weitere Zwischenfälle bei der Haspa bezüglich Behinderter gegeben hat. So wurde ein Blindengeldempfänger nicht als Kunde angenommen, weil er Geld vom Landessozialamt bezöge (vgl.: Christiane Link: Was bei der Haspa und anderen schief läuft“, www.behindertenparkplatz.de) und einem Blinden die EC-Karte für sein Konto verweigert, weil dies für die Haspa ein zu hohes Sicherheitsrisiko darstelle (vgl.: Marco Zehe in einem Kommentar zu „Aus Gerlefs Blog: Der Ekel vor behinderten Haspa-Kunden“, http://blog.jens-bertrams.de)

Am 14. August 2012 nahm das Haspa Social Media Team dann im Blog von Gerlef Gleiss („Der Ekel vor behinderten Haspa-Kunden“, http://gerlef.blog.de)  Stellung zu dem jüngsten Vorfall. Darin hieß es: „Dieser Ausnahmefall tut uns und der betreffenden Kollegin sehr leid und entspricht selbstverständlich nicht unserem Verständnis von Kundenservice. Wir haben uns deshalb bereits kurz nach dem Filialbesuch in der vergangenen Woche bei Herrn W. persönlich entschuldigt und zwei längere Gespräche mit ihm geführt. … Außerdem haben wir Kontakt zum Verband behinderter Menschen aufgenommen, um zu prüfen, ob es dort ggf. weitere Empfehlungen für den Umgang mit behinderten Menschen gibt.“


 

Diese Seite wurde zuletzt am 24.08.2016 17:46:13 Uhr aktualisiert.

 


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