Pflegeversicherung und pflegende Angehörige

 

Pflegeversicherung und

pflegende  Angehörige

 

 

Schnell-Übersicht der Leistungen

aus der gesetzlichen Pflegeversicherung ab 01.01.2017

Pflegegrad
Geldleistung
private Pflege
Sachleistung
ambulante Pflege
1    
2
316,00 € 689,00 €
3 545,00 € 1.298,00 €
4 728,00 € 1.612,00 €
5 901,00 € 1.995,00 €

 

Die Leistungen der gesetzlichen Pflegekassen

Von © Axel Ertelt

(15.11.2016) Viele Menschen pflegen privat, zu Hause, einen Angehörigen und wissen oft nicht, dass Sie dafür bares Geld und verschiedene Sonderleistungen bekommen können. So wird oft viel Geld verschenkt. Zuerst einmal muss bei der zuständigen Pflegekasse ein Antrag auf Feststellung eines Pflegegrades (früher Pflegestufe) gestellt werden, damit die Geld- und Sachleistungen überhaupt in Anspruch genommen werden können.

Mit der erneuten Reform der Pflegeversicherung, deren Auswirkungen zum 1. Januar 2017 in Kraft treten, wurden die bisherigen Pflegestufen 0 bis 3 in sogenannte Pflegegrade 1 bis 5 umgewandelt. Die Umwandlung erfolgt bei allen bisherigen Betroffenen automatisch. Dabei gilt: Pflegepersonen ohne eingeschränkte Alltagskompetenz steigen um eine Stufe (Pflegestufe 1 ist dann Pflegegrad 2 usw.) und Pflegepersonen mit eingeschränkter Alltagskompetenz steigen um zwei Stufen (Pflegestufe 1 ist dann Pflegegrad 3 usw.). Einstufungen in den Pflegegrad 1 werden erst ab dem 01.01.2017 neu getätigt, da alle Pflegepersonen, die bis zum 31.12.2016 eine Pflegestufe hatten automatisch mindestens Pflegegrad 2 bekommen (haben).

Die Pflegegrade und ihre Geldleistungen

Die Pflegegrade der Pflegeversicherung richten sich nach Pflegeaufwand und sind in fünf Stufen unterteilt. Für Pflegegrad 1 ist der Pflegeaufwand sogar relativ gering. So sollten Sie in jedem Fall bei Ihrer Pflegeversicherung einen Antrag auf Feststellung des Pflegegrades stellen. Die Pflegeversicherung wird dann den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) beauftragen, der schnellstmöglich einen Mitarbeiter zu Ihnen schickt um den Pflegegrad festzustellen.

Wurde der Patient, der Pflegebedürftige, dann in einen Pflegegrad eingestuft, so bekommen Sie die in der obigen Tabeööe aufgeführten Leistungen - entweder das Pflegegeld, wenn Sie selber pflegen, oder die Pflegesachleistung, wenn Sie einen ambulanten Pflegedienst beauftragen. Dieser rechnet dann allerdings direkt mit der Pflegeversicherung ab.

Wer Geld vom Job-Center (Hartz IV bzw. Arbeitslosengeld II) erhält kann beruhigt sein. Das Pflegegeld bleibt außen vor und wird nicht abgezogen.

Die Rentenbeiträge zahlt die Pflegekasse

Personen, die nicht erwerbsmäßig jemanden pflegen sind in der Regel Angehörige der zu pflegenden Person. Häufig sind solche Pflegepersonen nicht berufstätig oder haben nur eine geringfügige Beschäftigung. Vorausgesetzt dass die Pflegeperson mindestens einen Pflegeinsatz von 10 Stunden in der Woche (diese mindestens an zwei Tagen) hat, zahlt die Pflegekasse der gesetzlichen Krankenversicherung Rentenbeiträge für die Pflegepersonen. Diese Beitragszahlung wird auch durch einen Erholungsurlaub der Pflegeperson nicht unterbrochen.

Dies ist an ein paar Bedingungen geknüpft. Wer bereits als Pflegeperson Rentner ist, also schon eine Rente bekommt und somit auch keine Beiträge mehr bezahlt, für den wird auch von der Pflegekasse nichts bezahlt. Sprechen Sie Ihre Pflegekasse an und stellen Sie einen Antrag auf Beitragszahlungen zur Rentenversicherung.

Solche Beiträge sind Pflichtbeiträge. Wer zuvor freiwillige Rentenbeiträge bezahlt hat, braucht diese nicht weiterzahlen, da dies auch gar nicht zulässig ist.

Mehr Informationen gibt es in der Broschüre „Rente für Pflegepersonen: Ihr Einsatz lohnt sich". Wenn Sie auf den Titel klicken, kommen Sie zur entsprechenden Seite der Deutschen Rentenversicherung wo Sie die Broschüre kostenlos downloaden oder auch kostenlos als gedruckte Ausgabe bestellen können. Unter der Telefonnummer 0800-10004800 erreichen Sie das kostenlose Servicetelefon der Rentenversicherung.

Rentenansprüche für nicht erwerbsmäßige Pflege (Stand 31.05.2015)
Pflegestufe
Mindestaufwand
pro Woche in Std.
Monatliche Rente
für 1 Jahr Pflege (West)
Monatliche Rente
für 1 Jahr Pflege (Ost)
I 14 7,42 € 6,83 €
II 14 9,89 € 9,10 €
II 21 14,83 € 13,65 €
III 14 11,12 € 10,24 €
III 21 16,69 € 15,36 €
III 28 22,25 € 20,48 €
Bei Pflege eines Kindes und Erziehung eines weiteren Kindes bis 10 Jahren kann sich der Rentenanspruch erhöhen.
Quelle: Deutsche Rentenversicherung.

Automatische Unfallversicherung während der Pflege

Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie während Ihrer Pflegetätigkeit automatisch gesetzlich unfallversichert sind. Dies ist auch nicht von einer Mindestpflegezeit abhängig. Auch bleiben Sie u. U. weiterhin in der Arbeitslosenversicherung versichert, deren Beiträge die Pflegekasse übernimmt. Fragen Sie Ihre Pflegekasse wie das auf Sie zutrifft.

Fallen Sie wegen Ihrer Pflegetätigkeit aus der gesetzlichen Krankenversicherung heraus, weil Sie beispielsweise dafür Ihren Job aufgegeben haben, können Sie sich eventuell über Ihren Ehepartner in der Familienversicherung mitversichern oder die Krankenversicherung auf freiwilliger Basis weiterführen. Sprechen Sie Ihre Krankenversicherung daraufhin an. Dort kann man Sie ausführlich beraten.

 

EU-Gerichtshof:
Pflege im Ausland muss nicht bezahlt werden!

Von © Axel Ertelt

Pflegebedürftige Deutsche, die in Deutschland von der gesetzlichen Pflegeversicherung Leistungen erhalten, haben im Ausland keinen Anspruch auf die sogenannten Pflegesachleistungen (Grundpflege, hauswirtschaftliche Versorgung…) sondern nur Anspruch auf das geringere Pflegegeld. Dies entschied am 12. Juli 2012 aktuell der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg.

Nur das Pflegegeld steht Pflegebedürftigen im Ausland zu

Das Pflegegeld ist deutlich geringer und beträgt in den Pflegestufen II und III nicht einmal die Hälfte der Pflegesachleistungen. Mit dem aktuellen Urteil (http://www.kostenlose-urteile.de/Urteil8167) hat der EuGH jetzt die bisherige Praxis der Pflegekassen bestätigt und eine Klage der EU-Kommission dagegen abgeschmettert. Alles kann und darf so bleiben wie bisher.

Doch zumindest auf das Pflegegeld haben pflegebedürftige Deutsche im Ausland ein Recht. Daran gab es nichts zu rütteln. Seine Entscheidung begründete der EuGH damit, dass die EU-Kommission nicht ausreichend hätte darlegen können, dass die bisher bereits freiwillig praktizierte Regelung tatsächlich die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU beschränke. Zudem sei die Rechtssprechung zur Kostenübernahme bei medizinischer Behandlung kein Anhaltspunkt, weil die Pflegeleistungen in der Regel meistens für längere Zeit gezahlt würden.

Sachleistungen vom ausländischen Versicherungsträger?

Die deutsche Bundesregierung hatte zudem die bisherige Praxis auch damit verteidigt, dass die pflegebedürftigen Versicherten in einem der anderen EU-Mitgliedsstaaten Sachleistungen des dortigen Versicherungsträgers beziehen könnten. Diese wiederum würden mit der Pflegeversicherung verrechnet. Dabei sei sogar eine Kombination von Geld- und Sachleistungen möglich, die höher lägen als die in Deutschland möglichen Leistungen.

Wie und wo dies im Einzelnen möglich ist und beantragt werden kann, darüber sollten Sie sich vor dem Auslandsaufenthalt von Ihrer Krankenkasse bzw. Pflegeversicherung beraten lassen. Das Urteil bezieht sich ausschließlich auf die EU-Staaten. Außerhalb der EU gibt es in der Regel gar nichts.

Vorschriften sind nicht harmonisiert

Abschließend sagten die EU-Richter noch, dass die Vorschriften innerhalb der EU im Bereich soziale Sicherheit nicht harmonisiert seien. Keinem Bürger könne deshalb garantiert werden, dass ein Wechsel von dem einen in den anderen Mitgliedsstaat bezüglich seiner Leistungen aus Krankheit und/oder Pflegebedürftigkeit neutral sei. Er könne dadurch sowohl finanzielle Vorteile als auch finanzielle Nachteile haben. Und das, so die Richter, sei kein Verstoß gegen EU-Recht.

Erstveröffentlichung am 04.10.2012 auf der OnlineZeitung24.


 

Interessante Internet-Seiten für pflegende Angehörige

Private Pflegeversicherung und gesetzliche Grundlagen, Bahr Pflegeversicherung, Marcel Ziegler, Email: info@meinepflegeversicherung.com, <> http://www.meinepflegeversicherung.com/

Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland e.V., c/o Dr. Hanneli Döhner (Vorstandsvorsitzende), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Ost 37, Martinistraße 52, 20246 Hamburg, Tel.: 040-741054528, Fax: 040-741054506 <> http://www.wir-pflegen.net/

Initiative Armut durch Pflege (Verarmung und Armut in der Familienpflege – Pflegende Angehörige kommen zu Wort!), Susanne Hallermann, Postfach 0212, 48284 Telgte, Tel.: 02504-6967725, Email: initiative@armutdurchpflege.de <> http://www.armutdurchpflege.de/

Landesstelle Pflegende Angehörige NRW, Domplatz 1 - 3, Dienstgebäude Geisbergweg, 48143 Münster, Tel.: 0251-4113302, Email: info@lpfa-nrw.de, <> http://www.lpfa-nrw.de/


Diese Seite wurde zuletzt am 15.11.2016 19:23:50 Uhr aktualisiert.

 


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